Alle gegen SVP: «Initiative löst keine Probleme»

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Zürich,

In der «Arena» wollen die SVP-Vertreter mit der 10-Millionen-Schweiz-Initiative die Probleme lösen. Die Gegenseite aber findet, die Vorlage verschärfe Engpässe.

«arena»
Die SVP kämpft für ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • In der «Arena» listen SVP-Dettling und SVP-Friedli Zuwanderungs-Probleme auf.
  • Die Gegenseite aber sagt, die Vorlage löse die Probleme nicht.
  • Bundesrat Jans warnt vor grosser Unsicherheit im Falle einer Annahme.

Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» polarisiert, Umfragen zufolge zeichnet sich ein enges Rennen ab. Am Mittwoch widmete SRF der Vorlage einen Politabend bestehend aus «Rundschau» und «Arena».

Dort bestand die Pro-Seite mangels Unterstützer aus anderen Parteien einzig aus Vertretern der SVP. Sie wollen die Probleme, die die Zuwanderung verursacht habe, mit der Initiative beheben. Die Contra-Seite sagt aber unisono: «Die Initiative löst keine Probleme.»

«Arena»
SVP-Präsident Marcel Dettling in der «Arena». - srf

SVP-Präsident Marcel Dettling sagt, in den letzten 12 Jahren seien eine Million Menschen in die Schweiz «hereingepresst» worden. Angesichts dieser «masslosen Zuwanderung» spricht er von höherer Kriminalität, höheren Sozialkosten, höheren Krankenkassenprämien, Problemen in Schulen, Jugendkriminalität und Zubetonierung.

«Weiter wie bisher ist kein Rezept. Die Initiative gibt Antworten auf die Probleme.»

Auch SVP-Ständerätin Esther Friedli listet Probleme auf: überfüllte Züge, Staus, Schulen, in denen noch ein Kind Schweizer sei, die Sicherheit. «Ich als Frau traue mich abends nicht mehr alleine raus.» Die Initiative sei auch ein Zeichen an die Politik, endlich zu handeln.

«Arena»
Mite-Nationalrätin Yvonne Bürgin in der «Arena». - srf

Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin dementiert nicht, dass es «Wachstumsschmerzen» gebe. Man müsse etwas tun, aber der Deckel baue keine Wohnungen, baue keine Strassen, löse keine Probleme.

Beat Jans: Es braucht Zuwanderung

Auch Justizminister Beat Jans sagt: «Mit der Initiative lösen Sie keine Probleme», diese würden sogar verschärft, da es beispielsweise weniger Personal im Bauwesen gebe. Er spricht auch die demographische Entwicklung an: Weil es immer mehr Rentner und weniger Erwerbstätige gebe, brauche es Zuwanderung.

Bürgin wirft der SVP vor, die demographische Realität auszublenden, die Rechnung gehe nicht auf. Bei einer Annahme sei die Lösung entweder eine 48- bis 50-Stunden-Woche oder eine Erhöhung des Rentenalters.

«Arena»
SVP-Ständerätin Esther Friedli in der «Arena». - srf

Dettling hingegen sieht den Fachkräftemangel durch die Zuwanderung verschärft: Die eine Million Zuwanderer bräuchten auch Infrastruktur, Schulen, Wohnraum, Lehrer. Und er betont: Es dürften weiterhin 40'000 Arbeitskräfte pro Jahr kommen.

Friedli spricht von Angstmacherei der Gegenseite und einem Schreckgespenst. «Es dürften immer noch Leute kommen, bis wir die 10 Millionen erreichen.»

Die Gegner der Vorlage sprechen oft von einer «Chaos-Initiative». Beat Jans begründet das damit, dass ein Ja zu viel Unsicherheit führen würde.

«Um die vorgegebenen Ziele zu erreichen, müssten wir sofort die Zuwanderung bremsen. Tausenden Menschen, die mit einem Arbeitsvertrag kommen würden, müssten wir sagen, sie dürften nicht kommen.»

«Arena»
SP-Bundesrat Beat Jans und FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen kämpfen in der «Arena» auf der gleichen Seite. - srf

Man müsste die Personenfreizügigkeit zwar nicht sofort kündigen, sie aber bald verletzen: Bei 9,5 Millionen Einwohnern müsste der Familiennachzug gestoppt werden, was gegen das Abkommen sei. «Damit riskieren wir den bilateralen Weg», sagt Jans.

Marcel Dettling: Vorwärtsmachen im Asylbereich

FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen verweist in diesem Zusammenhang auf die Guillotine-Klausel. Mit dem Ende der Personenfreizügigkeit würden auch alle anderen Abkommen der Bilateralen wegfallen.

Er spricht von einem Ausschluss aus den Schengen- und Dublin-Abkommen. «Ihr wollt die Arbeitsmigration erschweren und die Asylmigration chaotisch machen.»

Weil die Gegenseite widerspricht, sagt Wasserfallen: «Ihr habt Angst vor den Folgen eurer eigenen Initiative.»

Dettling aber widerspricht: Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Initiative und den Schengen- und Dublin-Abkommen.

«Das ist also gar kein Thema.» Zudem ist seine Partei der Ansicht, dass die 10-Millionen-Grenze gar nie erreicht werde, «wenn Jans im Asylbereich vorwärtsmacht».

Wie stimmst du zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»?

Der angesprochene Bundesrat rechtfertigt sich mit Zahlen: Seit seinem Amtsantritt seien die Asylzahlen bereits gesunken, er habe mehrere Massnahmen ergriffen.

Zudem kämen bloss acht Prozent der Zuwanderer über den Asylweg in die Schweiz. Die anderen 92 Prozent mit einem Arbeitsvertrag oder über den Familiennachzug.

Auf diese Leute sei man angewiesen. Und wenn man sie nicht ins Land holen könne, sagt Jans, dann müsse es die Bevölkerung ausbaden.

Kommentare

User #6069 (nicht angemeldet)

Ich schaue Arena nicht mehr, war früher meine Lieblingssendung, da nur gestritten wird. Hr. Jans ist eh nicht ehrlich. Ich staune, was die Gegner alles für Lügen verbreiten!

User #4287 (nicht angemeldet)

Es ist doch egal wer diese Initiative macht, sondern schaut doch einfach genauer die Schweiz an. Wollen wir so bleiben wie es jetzt ungefähr ist oder wollen wir alles doppelt so haben? Leute brauchen wir, werden wir auch immer genug haben. Früher hat die Schweiz auch weniger Bevölkerung gehabt und ging es schlecht? Denke kaum, sonst wäre die Schweiz nicht so wie sie jetzt ist. Aber es kann doch nicht sein unsere Schweiz zu Betonieren und alles überfüllen. Danach wieder erwähnen die Schweiz wird immer wärmer. Klar weniger Wälder und Grünflächen, Autos die morgens und abends unnötig im Stau stehen. Mehr Fachkräfte brauchen grössere Infrastrukturen wie neue Spitäler, Schulen, Gefängnisse etc.. Nutzung der ÖV was auch mehr Fahrzeuge bedeutet, somit müsste dies massiv ausgebaut werden auch auf dem Land. Dann mehr Towers es muss in die Höhe gebaut werden und nicht typisch Schweiz auf 4 Stockwerke. Dann müsste viele Strassen die Fahrverbot wieder aufgehoben werden. Da in den letzten Jahren diverse Umfahrungsstrassen gedrosselt wurden und somit gezwungen wird auf den Hauptstrasse zu fahren. Was natürlich in dieser Dichte massive Verkehrsaufkommen gibt. Die Frage wäre bei einer Krise ob wir all diese Bevölkerung verpflegen können etc ...

Weiterlesen

10 Millionen Schweiz Abstimmung
844 Interaktionen
Kampagnen-Budgets
43 Interaktionen
Bern
Jans
137 Interaktionen
Bern/Brüssel

MEHR SVP

Thomas Matter Philipp Bregy
451 Interaktionen
10-Mio.-Initiative
10 Millionen Schweiz Abstimmung
1'126 Interaktionen
Umfragen
10 Millionen Initiative SVP
91 Interaktionen
Umfrage
Anne Speiser
4 Interaktionen
Glanzresultat

MEHR AUS STADT ZüRICH