Energy

Test enthüllt: Verbotene Energy-Drinks werden in Schweiz verkauft

Simon Binz
Simon Binz

Zürich,

Ein Recherche-Team hat verbotene Energydrinks in Schweizer Onlineshops und Läden gefunden. 10 Produkte überschreiten den gesetzlichen Koffein-Wert teils massiv.

Energydrinks
Mehrere Energydrinks der Marken Snowman, Monster, Playboy Energy und Ghost überschreiten den in der Schweiz geltenden Grenzwert von 160 mg Koffein. - Screenshot/SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • «SRF Investigativ» fand Energydrinks mit illegalem Koffeingehalt in Schweizer Shops.
  • Hierzulande sind maximal 160 mg pro 500 ml erlaubt – zehn getestete Drinks lagen darüber.
  • Ein Energydrink enthielt über 338 mg Koffein – mehr als doppelt so viel wie erlaubt.

Bunte Dosen, exotische Geschmacksrichtungen, aggressive Social-Media-Werbung: Energydrinks sind aus dem Schweizer Detailhandel kaum wegzudenken. Laut Bundesamt für Zoll- und Grenzsicherheit wurden letztes Jahr über 40 Millionen Liter in die Schweiz importiert.

Doch zahlreiche dieser Getränke dürften eigentlich hierzulande gar nicht im Handel sein. Recherchen von «SRF Impact Investigativ» zeigen: In Onlineshops und spezialisierten Getränkehandlungen sind Energydrinks erhältlich, deren Koffeingehalt weit über dem hierzulande geltenden gesetzlichen Grenzwert liegt.

Trinkst du Energy-Drinks?

Das SRF-Investigativ-Team kaufte demnach 27 Energydrinks in Schaffhausen, Zürich, Burgdorf, Lyssach und in Schweizer Onlineshops und schickte sie in ein Labor. Nur 17 dieser Produkte entsprachen der gesetzlichen Vorgabe – zehn Produkte lagen teilweise stark darüber.

«Zehn Energydrinks dürfen so nicht im Handel sein»

In der Schweiz darf ein halber Liter Energydrink maximal 160 Milligramm Koffein enthalten – das entspricht einer Tagesdosis gemäss Lebensmittelrecht. Zehn Produkte deklarierten bereits auf der Dose einen zu hohen Koffeingehalt zwischen 180 und 300 Milligramm – die Laboranalyse bestätigte die Überschreitung.

«Diese zehn Energydrinks dürfen so nicht im Handel sein», sagt Pascal Pichonnaz, Professor für Privatrecht an der Universität Freiburg und ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Kommission für Konsumentenfragen.

Vorgehen bei der Stichprobe

Reporterinnen und Reporter von «SRF Investigativ» kauften in Schaffhausen, Zürich, Burgdorf und Lyssach sowie in Schweizer Onlineshops Energydrinks aus aller Welt. Im Fokus standen Getränke mit zu hoch deklariertem Koffeingehalt, Dosen mit ausschliesslich fremdsprachiger Beschriftung sowie Produkte mit zusätzlichem Koffein aus Kaffee oder Guarana. Bei Schweizer Grossverteilern wurden keine Drinks mit zu viel Koffein gefunden – die Überschreitungen stammten ausschliesslich aus Onlineshops und dem spezialisierten Importhandel.

Besonders auffällig: Der «Monster Energy Killer Brew Loca Moca». Die Dose deklariert 300 Milligramm Koffein – das Labor mass über 338 Milligramm. Laut Pichonnaz verstösst das zusätzlich gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.

Energy-Drinks werden nach Recherche zurückgerufen

Unmittelbar nach der Anfrage von «SRF» ordnete das Kantonslabor Zug einen Rückruf für den «Monster Energy Killer Brew Loca Moca» sowie sechs weitere Geschmacksrichtungen an.

Der Verkäufer, die Drink-Energy GmbH, entfernte die Produkte umgehend aus dem Sortiment und schrieb seiner Kundschaft, der Konsum könne gesundheitliche Risiken verursachen.

Energydrinks Schweiz
Der «Monster Energy Killer Brew Loca Moca» enthielt im Labor über 338 mg Koffein – fast doppelt so viel wie in der Schweiz erlaubt ist. Laut dem Hersteller ist der Drink nicht für den Schweizer Markt hergestellt worden. - Screenshot/X

Auch die Family Commerce AG, Betreiberin des Onlineshops Sweets, informierte ihre Kunden nach dem SRF-Test über den zu hohen Koffeingehalt der «Snowman»-Energydrinks und entfernte die Drinks aus dem Sortiment.

Der Onlineshop Fastandgo zog die beanstandeten «Monster»-Produkte ebenfalls zurück. Der Süsswarenladen Bestsweets in Schaffhausen hingegen verkaufte die betroffenen Drinks bis zum Erscheinen des Artikels weiterhin.

Keine Alterskontrolle, kaum Aufsicht

Anders als bei Alkohol oder Tabak gibt es in der Schweiz für Energydrinks keine Altersgrenze. Für Kinder und Jugendliche gelten drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als sicher. Für ein 30 Kilogramm schweres Kind entspricht das einer Tasse Kaffee pro Tag.

Laut einer europäischen Studie mit über 52'000 Teilnehmenden aus 16 Ländern stellen Jugendliche den grössten Teil der Energydrink-Konsumenten dar. Eine Bundeserhebung zeigt: Jeder fünfte Schweizer Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren trinkt mindestens einen Energydrink pro Woche.

Das sagen die Hersteller

Zwei Hersteller erklären, ihre Produkte hätten in der Schweiz nie in den Verkauf gelangen dürfen. Color Brands Europe BV schreibt auf Anfrage von «SRF Investigativ», der «Playboy Lovely Melons» sei für den US-Markt vorgesehen. Ghost Beverages LLC teilt mit, ihr «Ghost Energy Blue Raspberry Sour Patch Kids Zero» sei ohne ihr Wissen und Einverständnis importiert worden.

Monster Energy erklärt, der «Killer Brew Loca Moca» sei nicht für den Schweizer Markt produziert und offenbar von nicht autorisierten Händlern eingeführt worden. Den gemessenen Koffeingehalt könne man nicht nachvollziehen; das Produkt entspreche den rechtlichen Vorgaben. Die Produzentin der «Snowman»-Energydrinks reagierte auf mehrere Anfragen nicht.

Der Walliser Mitte-Nationalrat Benjamin Roduit forderte in der letzten Wintersession per Motion ein Mindestalter von 16 Jahren. Als Schulleiter beobachte er den steigenden Konsum mit Sorge sagt er gegenüber «SRF»: «Bund und Kantone müssen Kinder und Jugendliche besser vor diesen gesundheitsschädlichen Getränken schützen.»

Die Zuständigkeit für die Kontrolle liegt bei Bund und Kantonen. Primär in der Pflicht seien jedoch die Importeure und Händler, schreibt Alda Breitenmoser, Präsidentin des Verbands der Kantonschemiker Schweiz.

Kommentare

User #3156 (nicht angemeldet)

Schon wieder ein Vorfall. Die fanatischen Messerboyz sind viel gefährlicher als diese Energydrinks. Mein JA ist sicher! Hehehe. LOL.

User #6407 (nicht angemeldet)

Schädlicher als das Koffein sind v.a. die Säuren und auch zuviel Zucker. Diese Drinks sind wegen der Säure sehr schlecht für die Zähne, alle.

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