Wetterphänomen El Niño steht an – «Öl ins Feuer globaler Erwärmung»
Es zeichnet sich seit Monaten ab, jetzt ist es praktisch Gewissheit: Das Wetterphänomen El Niño steht an.

Das Wichtigste in Kürze
- Das regelmässig wiederkehrende Wetterphänomen El Niño steht vor der Tür.
- Die Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Beginns zwischen Juni und August liegt bei 80%.
- In der Schweiz wird von El Niño nicht viel zu spüren sein.
Die ungewöhnlich hohen Meerestemperaturen im tropischen Pazifik kündigen das regelmässig wiederkehrende Wetterphänomen El Niño an.
Damit einher geht die Sorge vor mehr Extremwetter mit Dürren, Überschwemmungen und einer womöglich rekordbrechenden globalen Durchschnittstemperatur in naher Zukunft, wie die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf berichtet.
«El-Niño-Bedingungen giessen Öl in das Feuer der globalen Erwärmung», teilte UN-Generalsekretär António Guterres in einer Videobotschaft mit. «Die Folgen werden noch heftiger und sich noch weiter ausbreiten.»
Die Wahrscheinlichkeit eines El-Niño-Beginns zwischen Juni und August liegt inzwischen bei 80 Prozent und für eine Dauer bis mindestens November bei rund 90 Prozent.
Möglicherweise steht starkes El Niño bevor
«Wir müssen uns auf ein möglicherweise starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und Starkregen verschärfen und das Risiko von Hitzewellen sowohl an Land als auch im Ozean erhöhen wird», sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo.
Zuletzt zeigte sich das alle zwei bis sieben Jahre natürlich auftretende Wetterphänomen 2023/24. Das war einer der fünf stärksten El Niños seit Beginn der Aufzeichnungen, die nach WMO-Angaben 1950 begannen.
Das trug dazu bei, dass 2024 das bisher heisseste Jahr seit der Industrialisierung (1850-1900) war, gemessen an der globalen Durchschnittstemperatur.
Vor allem auf der Südhalbkugel spürbar
Ein El Niño verschärft die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Die Auswirkungen sind mit Dürren und Überschwemmungen in Regionen vor allem auf der Südhalbkugel zu spüren. Für Europa halten sich die Folgen in Grenzen.
Die Oberflächentemperatur an der Pazifikküste Südamerikas sei zwischen Ende April und Mitte Mai auf das Niveau wie in El-Niño-Jahren gestiegen, berichtete die WMO. Zusätzlich komme ungewöhnlich warmes Wasser aus tieferen Lagen hinzu, dessen Temperatur teils sechs Grad über dem langjährigen Durchschnitt liege.
Wird El Niño in der Schweiz zu spüren sein?
Nein, zumindest nicht direkt. Laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteoschweiz) existieren zwar einzelne Fernkopplungen zwischen El Niño und dem Wetter in Europa. Diese sind aber nur schwach ausgeprägt.
Für das Schweizer (und mitteleuropäische) Wetter ist die Nordatlantische Oszillation (NAO) – also das Druckverhältnis zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch – der entscheidende Taktgeber. Diese atlantische Dynamik ist für die Schweiz um ein Vielfaches mächtiger als die fernen Impulse aus dem Pazifik.
Deshalb zeigt sich in den heimischen Wetterdaten auch kein klares Muster: Frühere El-Niño-Jahre brachten den Alpen mal eisige Kälte und viel Schnee, mal extreme Milde.
Spürbar könnte das Phänomen aber indirekt sein: Etwa durch höhere Preise für Importgüter wie Kaffee oder Kakao wegen Ernteausfällen in Südamerika.





















