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«Keine 10-Mio.-Schweiz»: Das sagt Aargauer Mitte-Nationalrat Meier

Andreas Meier
Andreas Meier

Baden,

Nationalrat Andreas Meier spricht sich für ein Nein zur 10-Millionen-Initiative aus. Aber: Mit einem Nein ist die Debatte nicht beendet, sagt er im Gastbeitrag.

Andreas Meier, Nationalrat AG
Andreas Meier ist Aargauer Mitte-Nationalrat. - zVg

Die 10-Millionen-Initiative vermittelt vielen Menschen den Eindruck, die grossen Herausforderungen der Schweiz liessen sich mit weniger Zuwanderung lösen.

Tatsächlich gefährdet sie jedoch primär die Bilateralen mit der EU – und damit Arbeitsplätze, wirtschaftliche Stabilität und die Versorgung unseres Landes. Die Probleme bei Asylwesen, Verkehr, Wohnraum oder Infrastruktur würden dadurch nicht verschwinden.

Der Druck auf Verkehr, Wohnraum und Infrastruktur ist real. Doch die Initiative suggeriert, man könne diese Herausforderungen einfach wegzählen. So funktioniert die Realität nicht.

Gerade dort, wo heute bereits Fachkräfte fehlen, würde die Initiative den Mangel weiter verschärfen: In der Pflege, im Gesundheitswesen, im Bau, im Gewerbe, in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie. Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren hunderttausende Babyboomer in Pension.

10-Millionen-Schweiz
Die Schweizer Stimmbevölkerung wird im Juni über die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abstimmen. (Symbolbild) - keystone

Arbeitslose und offene Stellen sind zudem nicht beliebig austauschbar. Eine Pflegefachfrau oder ein Elektroingenieur lassen sich nicht einfach durch irgendeine arbeitslose Person ersetzen.

Betroffen wäre vor allem die Personenfreizügigkeit mit der EU – also genau jene Grundlage, auf der viele Unternehmen und Lieferketten funktionieren.

Über die Hälfte aller Schweizer Exporte gehen in den europäischen Binnenmarkt. Wer die Bilateralen leichtfertig riskiert, setzt die wirtschaftliche Stabilität unseres Landes aufs Spiel.

Die Mitte hat deshalb versucht, einen Gegenvorschlag einzubringen, um die berechtigten Sorgen über Wachstum, Infrastruktur und Wohnraum aufzunehmen, ohne den bilateralen Weg zu gefährden. Dafür fand sich im Parlament jedoch keine Mehrheit.

Wie stimmst du bei der 10-Millionen-Initiative der SVP?

Umso wichtiger ist jetzt ein Nein zu dieser Chaos-Initiative. Denn mit einer Annahme würden wir der Schweiz schweren Schaden zufügen, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.

Oder anders gesagt: Wer wegen eines Schnitts im Finger gleich die ganze Hand amputiert, hat am Ende nichts gewonnen.

Bemerkenswert ist zudem, dass sich gegen diese Initiative praktisch alle verantwortlichen Kräfte unseres Landes stellen: Bundesrat, Parlament, Arbeitgeber, Arbeitnehmerorganisationen, Wirtschaft, Gewerbe, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Bildung. Das ist kein Zufall.

Klar ist aber auch: Mit einem Nein ist die Debatte nicht beendet. Dann beginnt die eigentliche Arbeit erst recht – mit konkreten Massnahmen bei Infrastruktur, Wohnraum und dem inländischen Arbeitskräftepotenzial.

Zum Autor

Andreas Meier (*1962) ist Aargauer Mitte-Nationalrat und Weinbau-Unternehmer.

Kommentare

User #2567 (nicht angemeldet)

Ganz ehrlich mir wäre es wirklich egal ab wir 5 Millionen oder 30 Millionen Menschen sind. Lebensqualität leidet darunter und das ist für unser Land nicht schön. Das Land war bekannt für verschiedene Sachen und die Herzlichkeit der Bevölkerung. Wenn eine Person im Systemrelevanten Beruf jetzt schon extrem auf das Budget achten muss und dies ohne extremen Luxus hört bei mir den Spass auf. Für was arbeiten wir wenn wir nichts mehr Leisten können und trotzdem jeden Tag für die Bevölkerung da sind? Mehr Leute bedeutet mehr Ressourcen also müssten wir jetzt schon alles extrem Aufbauen. Schaut Dubai an das geht dort so extrem schnell. Darum besser 10 Millionen drosseln alles aufbauen und dann können wir wieder abstimmen für den nächsten Schritt. 20 Millionen Menschen

User #1770 (nicht angemeldet)

Nein, Herr Meier. Ich glaube nicht, dass Ihre Haltung die Lösung ist. Diese Initiative ist bereits der zweite Versuch eines grossen Teils der Bevölkerung, der Politik mitzuteilen, dass man mit der aktuellen Entwicklung nicht einverstanden ist. Viele haben den Eindruck, dass frühere Signale nicht ernst genommen oder nur teilweise umgesetzt wurden. Deshalb hoffen viele, dass dieses Signal diesmal ernst genommen wird. Ich glaube auch nicht, dass dies bereits die ganze Lösung ist, sondern höchstens der Anfang einer Lösung. Eine nachhaltige Verbesserung wird aus meiner Sicht erst möglich, wenn sich die Politik wieder stärker um souveräne Anliegen der Schweiz kümmert, statt sich primär an Entwicklungen und Vorgaben der EU zu orientieren

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