Blatten erinnert an den Bergsturz: «Niemand wird das je vergessen»
Ein Jahr nach dem Bergsturz von Blatten findet am Donnerstagnachmittag in der Oberwalliser Gemeinde eine Gedenkfeier statt.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Jahr ist der Bergsturz von Blatten her.
- Bei einer Gedenkfeier am Donnerstagnachmittag werden 500 Gäste erwartet.
- Die Walliser Regierung spricht von einem Ereignis, «das niemand je vergessen wird».
Mit einer Gedenkfeier haben rund 500 Menschen am Donnerstag in Blatten des Bergsturzes vom 28. Mai 2025 gedacht. Auf dem Schuttkegel erinnerten sie an die Zerstörung des Dorfes und blickten zugleich auf die Zukunft des Lötschentals.
Um 15.24 Uhr erhoben sich alle Anwesenden. «Zum Gedenken an das frühere Dorf und an den Mann, der bei der Katastrophe sein Leben verlor», sagte Blattens Gemeindepräsident Matthias Bellwald.
Genau zu jenem Zeitpunkt, als vor einem Jahr alles zusammenbrach, wurde eine Schweigeminute abgehalten. Im Hintergrund erklangen die Glocken der Weiler Weissenried und Eisten.
An der offiziellen Zeremonie nahmen Behördenvertreter, Bewohnerinnen und Bewohner von Blatten und des Lötschentals sowie Medienvertreter teil. Sie fand in der sonst gesperrten Schadenzone statt. Unter einem Zelt nahe des Sees, der sich nach dem Einsturz des Birch-Gletschers gebildet hatte, wechselten sich Reden und Musikstücke ab. Manche Gesichter blieben dabei nicht trocken.

«Vor einem Jahr stand die Schweiz still», erinnerte Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP). Die Bilder dieser «Mondlandschaft» im Tal, des noch staubbedeckten Berges und der verschütteten Häuser seien seither allgegenwärtig. «Aber es gibt auch andere Bilder», sagte sie weiter. Bilder von Einwohnerinnen und Einwohnern Blattens, die mit Ruhe nicht nur das Unvorstellbare ertragen hätten, sondern trotz des Verlusts nach vorne blickten.
«Wir haben zwar das Dorf verloren, aber nicht unser Herz», hiess es in einem der Musikstücke, die Jugendliche aus der Region eigens für die Feier komponiert und aufgeführt hatten. Unter den Gästen befanden sich zahlreiche Kinder.
Nie vergessen
Die Katastrophe von vor genau einem Jahr werde «nie vergessen werden», hatten die Mitglieder der Walliser Regierung zuvor an einer Medienkonferenz übereinstimmend erklärt. Ebenso unvergessen blieben die ausserordentliche Lage und der massive Einsatz in den Tagen nach dem Unglück vom 28. Mai 2025 – ebenso wie die «Solidarität», der «Schock», die «Emotionen» und der unmittelbar entstandene «Wille zum Wiederaufbau».
Christophe Darbellay (Mitte), Stéphane Ganzer (FDP), Franziska Biner (Mitte) und Franz Ruppen (SVP) erinnerten nacheinander daran, was in den vergangenen zwölf Monaten bereits erreicht worden sei. Die Herausforderungen beträfen sämtliche Bereiche – von Finanzen über Infrastruktur und Tourismus bis hin zu Landwirtschaft und Sicherheit.
Die vier Staatsräte – ihr Kollege Mathias Reynard (SP) war wegen einer interkantonalen Konferenz abwesend – betonten zudem, dass der Weg zu einem «Blatten 2030» bereits begonnen habe. Erst vergangenen Monat sei der Grundstein für die neue Kantonsstrasse gelegt worden.
Das Leben kehrt zurück
«Der Wiederaufbau von Blatten ist keine Illusion, er funktioniert», sagte Ständerat Beat Rieder (Mitte). Erst am vergangenen Wochenende hätten Bewohnerinnen und Bewohner in ihre unversehrten Häuser in Blatten sowie in die Weiler Eisten und Weissenried zurückkehren können.
Wer in den Bergen und in einem Tal lebe, müsse in der Lage sein, grosse Risiken proaktiv zu bewältigen, sagte Rieder weiter. Denn ein «Nullrisiko» gebe es nicht. Der Oberwalliser Politiker verwies dabei auch auf den Oigschtchummun-Gletscher, der seit Mitte Mai intensiv überwacht wird.
Ein verwandeltes Tal
Die rund 500 Gäste erinnerten am Donnerstag daran, dass am 28. Mai 2025 um exakt 15.24 Uhr fast zehn Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis innerhalb weniger Sekunden das Tal und das Leben seiner Bewohnerinnen und Bewohner für immer verändert hatten.
Zugleich würdigten sie die Evakuierung, die wenige Tage vor der Katastrophe angeordnet worden war und den rund 300 Einwohnerinnen und Einwohnern von Blatten das Leben rettete.
Gedacht wurde auch des einzigen Todesopfers: eines 64-jährigen Schäfers, der sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes bei seinem Stall aufgehalten hatte. Nach der offiziellen Feier war die Bevölkerung zu einem Gottesdienst eingeladen.








